Owen
I Do Perceive

Deine Freundin hat Dich verlassen, Dein Haustier wurde von einem Zehntonner überfahren, Deine Frisur sitzt nicht und keiner hat Zeit für Dich — kurzum: Dein Leben macht Dir keinen Spaß mehr. Der Soundtrack dazu wird Dir von einem pseudo-alternativen Musikmagazin vorgeschlagen, das Indie-Acts auch erst dann entdeckt, wenn diese einen Major-Deal unterzeichnen und die Dir zur Schmerzlinderung "Bright Eyes" nahelegen. Das macht es auch nicht gerade besser, mit ausreichend Ignoranz und der Einstellung, dass Du nicht der einzige bist, dem es so geht, wirst Du aber auch das überwinden.
- Who Found Who's Hair in Who's Bed?
- Note to Self:
- Playing Possum for a Peek
- That Tattoo Isn't Funny Anymore
- Put Your Hands on Me, My Love
- She's a Thief
- Bed Abuse
- Lights Out
Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Der Mainstream und die Kommerzialisierung fallen zunehmend über Dein Lieblingsgenre her, Deine musikalischen Vorbilder wollen nicht als gescheiterte Existenzen enden und kommen auf die völlig absurde Idee mit ihrer Musik Geld zu verdienen — das kannst Du nicht verstehen, hast aber gleichzeitig keine Zeit darüber nachzudenken, weil Du zur Arbeit musst.
Auf dem Weg dorthin hörst Du besagte Band — doch was, wenn Dir Conor Obersts Soloprojekt so soft ist, dass es Dich langweilt, so kitschig ist, dass Du es Dir nicht bis zum Ende antun kannst und so gebrochen klingt, als würde das Unheil der ganzen Welt ausschließlich an ihm und damit auch an Dir liegen — dann solltest Du Dir das neue Album von "Owen" anhören. Denn genau an dieser Stelle setzt "Owen" an...und macht alles wieder gut.
Aber wer oder was ist "Owen"? Kurz gesagt: Ein Pseudonym geschaffen von einem musikalischen Allroundtalent namens Mike Kinsella, das schon zahlreiche Positionen in Bands einnahm: Ob als Sänger bei "American Football", Gitarrist bei "Joan Of Arc", Schlagzeuger bei "The Owls" bishin zu seinem derzeitigen Soloprojekt "Owen", in dem er gleich alles übernimmt, hat Kinsella schon Erfahrungen gesammelt. Mit dem im März erscheinenden dritten Album I DO PERCEIVE liefert er acht zauberhafte Akustiksongs. Musik als Selbsttherapie und Transmitter für Gefühle — trotz all der Massen an neuen, gehypten Singer-Songwritern, haben dieses Prinzip nur wenige so gut verstanden und umgesetzt wie Kinsella auf seinem neuen Album.
Natürlich handelt es sich hierbei nicht um Musik, die man tagtäglich hören kann, sondern um Gefühlsduselei für bestimmte Augenblicke — dieses Schicksal ereilt also auch diese wie ähnliche Genre-Platten. Wenn man davon aber mal absieht, zeigt sich I DO PERCEIVE als emotionales Album ohne dabei zu weinerlich zu klingen und weist gleichzeitig starke Folk- und Blues-Anleihen auf.
Bei der Produktion handelte man minimalistisch: Sowohl der Projektname, als auch das Cover-Artwork und der Sound sind so schlicht gehalten wie möglich — dabei wirkt es aber nicht einfach oder simpel: Solche Passagen würden ohnehin schon durch die Gefühlsbetontheit des Werkes überlagert. Das Schlagzeug kommt mit einem stark jazzigen Touch daher, Stimme und Gitarre rücken stellenweise in den Hintergrund — immer kurz vor dem Verstummen.
Die Lieder selbst sind überdurchschnittlich lang: Bei sechs- bis siebenminütigen Akustiksongs besteht bekanntermaßen die Gefahr sich in endlose Spielereien zu verstricken oder einfach langweilig zu sein, dies ist hier jedoch äußerst selten der Fall. Der Popfaktor ist noch geringer gehalten als bei den alten "Owen"-Platten: Gab es da noch Songs wie "Realize", die genauso gut einem Goo Goo Dolls-Album entsprungen sein könnten, hat sich Kinsella bei der Produktion von I DO PERCEIVE weit davon entfernt.
Fazit: Ein bisher vernachlässigtes Werk, dem mehr Aufmerksamkeit gebührt. Mal sehen, vielleicht unterzeichnet Mike Kinsella bis zum nächsten Werk einen Major-Deal — wäre zumindest eine interessante Vision.
- Genre:
- Akustik Rock, Indie
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